Bildung demokratisieren!

SchülerInnen und StudentInnen bekommen immer deutlicher zu spüren was es bedeutet am kürzeren Hebel zu sitzen.
Dass es meistens kein Spaß ist, einen Großteil seiner Zeit in deutschen Bildungseinrichtungen zu verbringen, ist kein Geheimnis. Seit vor einigen Jahren die „Bildungsmisere“ offenbar wurde und immer mehr Probleme auch öffentlich genannt wurden, konnte man wenigstens auf Verbesserungen hoffen. Die Hoffnung war – wie so oft – umsonst. Im Gegenteil hat sich die Situation im Bildungssystem noch zugespitzt.
Zentralabi, LehrerInnenmangel, Schulzeitverkürzung – SchülerInnen leiden zunehmendem unter Leistungsdruck und Bevormundung. Wenigstens konnten sie sich früher auf ein weitgehend selbstbestimmtes Lernen an den Universitäten freuen. Heute schrecken jedoch Studiengebühren, Bachelor-Studiengänge, chaotische Einschreibungsverfahren, verschulte Lehre mit Anwesenheitspflicht und vorgeschriebenem Studienplan … eher von einem Studium ab.

Universität wird immer mehr zu dem, was wir schon in der Schule scheiße fanden!

Was gelernt werden soll, also was in Lehrpläne, Studienordnungen und Schulbüchern als Curriculum vorgesehen ist – wird immer stärker an Interessen ausgerichtet, die nie Interessen von SchülerInnen und StudentInnen waren. Was die Wirtschaft braucht, was sich gut verkauft, was den Standort voranbringt das zählt – nach dem, was die Lernende wollen wird erst gar nicht gefragt.

SchülerInnen und StudentInnen wollen selbstbestimmt lernen…

…das heißt auch zu Lernen wie man selbst am besten Lernen kann und will und nicht Frontalunterricht, Klausur, Strafarbeit.
Noten, Bestrafungen, Anwesenheitslisten, „Workload“ … dienen der Disziplinierung von SchülerInnen und StudentInnen, die einer andauernden Kontrolle unterzogen werden sollen. Wer aus der Reihe tanzt wird aussortiert. So reproduzieren sich die Verhältnisse. Das Bildungsziel Konformität kann nur durch Angst und Zwang erreicht werden. Selbst Denken und Kritik an den Verhältnissen äußern gehören dagegen nicht zum Bildungskanon. Dabei wird allerdings ausgeblendet, dass nur selbstbestimmtes Lernen und eine demokratische Praxis in Schule und Uni die nötigen Grundlagen für eine demokratische Gesellschaft schaffen.

Demokratische (Hoch)Schule heißt aber nicht nur Selbstbestimmtes Lernen und demokratische Selbstverwaltung. Chancengleichtheit heißt Chancen gerecht verteilen! Solange aber nicht jedem Kind eine gute Schulbildung offen steht (weil schon nach wenigen Jahren in Schultypen sortiert wird), solange ein Studium nicht für jeden kostenlos und unabhängig von Abschlüssen und Schulnoten möglich ist, kann man von einem gerechten Bildungssystem nur träumen.

Freie Bildung für Alle – statt sozialer Auslese vom Kindergarten bis zum „Master“!

JD/JL Leipzig…
… erklären sich solidarisch mit den Protesten
der StudentInnen in Leipzig und Heidelberg
… rufen auf zum Bildungsstreik Juni 2009
… forderen alle SchülerInnen und StudentInnen auf für mehr demokratische Selbstverwaltung und selbstbestimmtes Lernen zu kämpfen und sich außerdem in den bestehenden Institutionen für radikale Demokratisierung aller Lebensbereiche einzusetzen. Organisiert euch!