Archiv der Kategorie 'Bildung'

Demo am 3.11. in Dresden gegen Kürzungen bei Bildung, Sozialem und Kultur.

Die Sächsische Staatsregierung plant massive Kürzungen in einer Gesamthöhe von ca. 1.4 Milliarden €. Betroffen sind unter anderem: Schulen und Hochschulen, Jugend- und Sozialarbeit und der ÖPNV. Gespart werden soll also da, wo scheinbar kein Mehrwert erwirtschaftet wird – Eine gute Schul- und Hochschulbildung, unabhängige Wissenschaft, Hilfen für sozial Benachteiligte und einen für Alle bezahlbaren öffentlichen Nahverkehr hält die Regierung für entbehrlich.
Wir rufen dazu auf, sie daran zu erinnern, dass diese Rechnung nicht aufgehen kann! Kommt am 3.11. zur Demonstration »Wir sind mehr WERT!« bis vor den Landtag in Dresden.

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KEINE Stimme ohne uns! – Für eine demokratische Bildungspolitik!

KEINE Stimme ohne uns! - Für eine demokratische Bildungspolitik!

Aufruf:

Am 24. November, 13 Uhr, findet eine Demonstration unter dem Motto: „KEINE Stimme ohne uns! – Für eine demokratische Bildungspolitik!“ statt.

Der Anlass: Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) tagt am Dienstag,dem 24. November 2009, in Leipzig!

Es wird höchste Zeit, die HRK zum Thema der öffentlichen Wahrnehmung und der Kritik zu machen – denn sie ist nach ihrem Selbstverständnis DIE – und damit DIE EINZIGE – Stimme der deutschen Hochschulen. Seit Jahren bestimmt die HRK – der Zusammenschluss der HochschulrektorInnen und -präsidentInnen – maßgeblich die Ausformung des Bologna-Prozesses auf Bundes- und Landesebene mit. In zahlreichen Publikationen und Stellungnahmen bestärkt sie ihren Einfluss auf die deutsche Politik und Öffentlichkeit.

Dabei ist sie weder demokratisch noch legitimiert! Studierende und MitarbeiterInnen der Hochschulen haben kein Mitbestimmungsrecht bei den „Brennpunkten der HRK“. RektorInnen und PräsidentInnen maßen sich an, als Stimme der Hochschulen zu sprechen und werden so zum Sinnbild von Missständen der Bildungspolitik. Manch weitreichender Entscheidung geht kein gleichberechtigter Meinungsbildungsprozess voran. Ebenfalls wird nicht auf die Bedürfnisse derer eingegangen, die am meisten von den Entscheidungen betroffen sind: SchülerInnen, Studierende und MitarbeiterInnen an den Hochschulen.

Am 24. November treten wir an, um uns selbst zu vertreten! Wir treten an – für eine demokratische Hochschulpolitik! Dies wird umso notwendiger, wenn die Positionen der HRK zu Studiengebühren und Zulassungsbeschränkungen in die Kritik mit einbezogen werden.
Seit 2004 befürwortet die HRK Studiengebühren, die „die Rolle von Preisen in einem zunehmend marktorientierten System [spielen]. Sie führen zu einem neuen Verhältnis zwischen Studierenden als zahlenden Nachfragern und Hochschule.“ Bildung wird hier ausschließlich als Ware und die Studierenden als zahlungskräftige KundInnen begriffen. So wird die Selektion im Bildungssystem weiter verschärft: Vom Kindergarten an über die Grundschulen und das dreigeteilte Schulsystem bis hinein in die Hochschulen zeigt sich Diskriminierung im Bildungssystem.

Auch das Thema Zulassungsbeschränkungen darf nicht verschwiegen werden. Durch die Umsetzung der sogenannten „Bologna-Reform“ wird der Bachelor zum Regelstudienabschluss, der Master ist von vornherein nur für eine kleine Zahl selektierter Studierender vorgesehen. Das steht im klaren Widerspruch zu studentischen Interessen. Die Selektion muss abgebaut, statt verfestigt werden. Bildung darf nicht vom Geldbeutel abhängen. Mit dem Mythos von besserer Lehre durch Studiengebühren muss endlich aufgeräumt werden!

Hochschulpolitik und Bildungspolitik müssen demokratisch legitimiert sein! „Die Stimme der Hochschulen“ sind alle Mitglieder der Hochschulen inklusive derer, die es werden wollen und so ein Recht haben, Mitglieder zu sein – und nicht nur RektorInnen und PräsidentInnen.

Unsere Position ist eindeutig: Gegen Studiengebühren, gegen Zulassungsbeschränkungen, für eine demokratische Bildungspolitik!

Bildung demokratisieren!

SchülerInnen und StudentInnen bekommen immer deutlicher zu spüren was es bedeutet am kürzeren Hebel zu sitzen.
Dass es meistens kein Spaß ist, einen Großteil seiner Zeit in deutschen Bildungseinrichtungen zu verbringen, ist kein Geheimnis. Seit vor einigen Jahren die „Bildungsmisere“ offenbar wurde und immer mehr Probleme auch öffentlich genannt wurden, konnte man wenigstens auf Verbesserungen hoffen. Die Hoffnung war – wie so oft – umsonst. Im Gegenteil hat sich die Situation im Bildungssystem noch zugespitzt.
Zentralabi, LehrerInnenmangel, Schulzeitverkürzung – SchülerInnen leiden zunehmendem unter Leistungsdruck und Bevormundung. Wenigstens konnten sie sich früher auf ein weitgehend selbstbestimmtes Lernen an den Universitäten freuen. Heute schrecken jedoch Studiengebühren, Bachelor-Studiengänge, chaotische Einschreibungsverfahren, verschulte Lehre mit Anwesenheitspflicht und vorgeschriebenem Studienplan … eher von einem Studium ab.

Universität wird immer mehr zu dem, was wir schon in der Schule scheiße fanden!

Was gelernt werden soll, also was in Lehrpläne, Studienordnungen und Schulbüchern als Curriculum vorgesehen ist – wird immer stärker an Interessen ausgerichtet, die nie Interessen von SchülerInnen und StudentInnen waren. Was die Wirtschaft braucht, was sich gut verkauft, was den Standort voranbringt das zählt – nach dem, was die Lernende wollen wird erst gar nicht gefragt.

SchülerInnen und StudentInnen wollen selbstbestimmt lernen…

…das heißt auch zu Lernen wie man selbst am besten Lernen kann und will und nicht Frontalunterricht, Klausur, Strafarbeit.
Noten, Bestrafungen, Anwesenheitslisten, „Workload“ … dienen der Disziplinierung von SchülerInnen und StudentInnen, die einer andauernden Kontrolle unterzogen werden sollen. Wer aus der Reihe tanzt wird aussortiert. So reproduzieren sich die Verhältnisse. Das Bildungsziel Konformität kann nur durch Angst und Zwang erreicht werden. Selbst Denken und Kritik an den Verhältnissen äußern gehören dagegen nicht zum Bildungskanon. Dabei wird allerdings ausgeblendet, dass nur selbstbestimmtes Lernen und eine demokratische Praxis in Schule und Uni die nötigen Grundlagen für eine demokratische Gesellschaft schaffen.

Demokratische (Hoch)Schule heißt aber nicht nur Selbstbestimmtes Lernen und demokratische Selbstverwaltung. Chancengleichtheit heißt Chancen gerecht verteilen! Solange aber nicht jedem Kind eine gute Schulbildung offen steht (weil schon nach wenigen Jahren in Schultypen sortiert wird), solange ein Studium nicht für jeden kostenlos und unabhängig von Abschlüssen und Schulnoten möglich ist, kann man von einem gerechten Bildungssystem nur träumen.

Freie Bildung für Alle – statt sozialer Auslese vom Kindergarten bis zum „Master“!

JD/JL Leipzig…
… erklären sich solidarisch mit den Protesten
der StudentInnen in Leipzig und Heidelberg
… rufen auf zum Bildungsstreik Juni 2009
… forderen alle SchülerInnen und StudentInnen auf für mehr demokratische Selbstverwaltung und selbstbestimmtes Lernen zu kämpfen und sich außerdem in den bestehenden Institutionen für radikale Demokratisierung aller Lebensbereiche einzusetzen. Organisiert euch!

Schülerin 6079 an die Tafel! – SchülerInnendatei kann schon bald Realität sein

Es klingt wie ein Schreckensszenario aus der Zeit der Volkszählung: SchülerInnen werden komplett überwacht – Nummern ersetzten Individualität – absolute Kontrolle durch den Staat.
Leider ist es keine Wahnvorstellung sondern Realität, oder soll es nach Wunsch der Kultusministerkonferenz bald werden. Geplant ist folgendes:
Es soll eine bundesweite Datenbank eingerichtet werden, in der man Informationen über jedeN einzelneN SchülerIn in Deutschland sammelt. Informationen über soziale und nationale Herkunft, Sprache der Familie und Schulerfolge bzw. Misserfolge. Das „nationale Bildungsregister“ soll Statistiken ermöglichen, die Schulerfolge mit der Herkunft von SchülerInnen in Verbindung bringen.

Nicht nur Datenschutzbeauftragte sehen die enormen Probleme, die mit solch einer Datei verknüpft sind. Doch die Kultusminister lassen sich davon kaum beeindrucken und verweisen auf die Anonymität der Datensätze. Tatsächlich soll in dem Register kein Name gespeichert werden, jeder Schüler wird stattdessen mit einer Identifikationsnummer versehen. Was allerdings eine Identifikationsnummer mit Anonymität zu tun haben soll weiß niemand. Zusätzlich soll neben Geburtsort und -datum sogar die Straße, in der man geboren wurde, gespeichert werden. Daten die für eine statistische Auswertung keine Bedeutung haben, faktisch aber eine Rückverfolgung der Daten sehr einfach machen.

Offen bleibt die Frage nach Sinn und Zweck eines solchen Registers. Die KultusministerInnen behaupten, die Daten lägen in den Schulen sowieso schon vor und könnten in einer zentralen Datenbank viel einfacher und kostengünstiger verwaltet werden. LehrerInnenverbände und SchülerInnenvertretungen sprechen von existierenden Statistiken, die auch ohne Zentralregister möglich sind.
In diesem Punkt sind sich also Kultusminister, Datenschützer und Bildungsexperten einig. Die Datenbank kann nicht mehr als sowieso schon möglich ist.
Dazu kommt die Tatsache, dass Statistiken praktisch nie auf kompletten Datenerhebungen aufbauen sondern immer Stichproben auswerten. Wieso das mit Schülern nicht funktionieren soll, kann ebenfalls keiner sagen. Für gute Statistiken braucht man keine zentrale Datenbank.

Es scheint also keinen bestechenden Grund für eine Schülerdatei zu geben, wieso sollte man die Risiken des Missbrauchs eingehen? Wieso unser Recht auf informationelle Selbstbestimmung einschränken?

Und Risiken gibt es genug. Es steht beispielsweise zu befürchten, dass Kindern ohne legalen Aufenthaltsstatus durch die Verpflichtung der Schulleitung alle Kinder für die Datei zu melden, die letzte Möglichkeit entzogen wird, eine Schule zu besuchen.
Ganz neue und nicht minder gefährliche Möglichkeiten würden sich durch die Kombination der Daten mit anderen, bereits existierenden Datensätzen ergeben. Der einzelne läuft Gefahr, die Kontrolle über Daten zu verlieren, die über ihn im Umlauf sind.
Ähnliche Projekte, wie das Mautkontrollsystem, sind dafür bekannt immer neue Begehrlichkeiten zu wecken. Wenn man die Daten erst einmal hat, kann man sie ja auch für andere Zwecke verwenden, Mit der Registrierung aller Schüler steht demnach auch eine komplette Erfassung und Nummerierung der Bevölkerung vor der Tür. Eine Absicht, die in der deutschen Geschichte schon einmal bestand, damals aber vom Bundesverassungsgericht verhindert wurde.
Sollte die SchülerInnendatei wirklich zur Anwendung kommen, wonach im Moment alles aussieht, dann müssen wir in Zukunft wohl mit weiteren Einschränkungen unserer Bürgerrechte leben. Das Recht auf Bildung und auf informationelle Selbstbestimmung sollen uns eigentlich ermöglichen eine Schule zu besuchen ohne derart intime Informationen über unsere Person in fremde Hände zu geben.

Das deutsche Schulsystem ist nicht gerecht und nicht chancengleich, das wissen wir auch ohne Schülerdatei.
Es mangelt nicht an Erkenntnissen und Analysen sondern an konkreten Schritten zur Verbesserung der Chancengleichheit und der Einzelförderung.
Die SchülerInnendatei wird nicht gebraucht, sie kann nur schaden.